| Kurz
und bündig |
- Bereits vor der
Zeit Karls des Großen wurden Kraniche, wie heute Hunde, als
Wächter des Hauses gehalten, da sie bei der Annäherung von
Raubwild oder Greifvögeln laut warnend trompeteten.
- Kraniche leben in
Dauerehe. Nach dem Verlust eines Partners sucht der verbliebene
Altvogel oft wochenlang nach seinem Gefährten.
- In
Mecklenburg-Vorpommern ist etwa die Hälfte aller
Kranichbrutpaare Deutschlands beheimatet. Das Bundesland hat
daher eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art.
- Viele Tausend
Besucher kommen alljährlich zur Rastzeit des Kranichs in die
Nationalparkregion. Der Kranich ist hier zum wichtigen
Wirtschaftsfaktor geworden.
- Auf dem Zug können
vermutlich Strecken von mehr als 2.000 Kilometern im Nonstopflug
zurückgelegt werden. Normal sind jedoch Tagesetappen von einigen
10 bis einigen 100 Kilometern.
- Mit Rückenwind
erreichen Kraniche Fluggeschwindigkeiten über 100 km/h.
- Kraniche ziehen
meist in der charakteristischen v-förmigen Keilformation. Das
reduziert den Luftwiderstand und damit den Energieverbrauch.
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Die Bedeutung der
Rügen-Bock-Region als Rastplatz
Die Rügen-Bock-Region ist der bedeutendste Kranichrastplatz in
Mitteleuropa. Etwa die Hälfte der gesamten
Population des westeuropäischen Zugweges rastet hier. Im Herbst
sind es bis zu 40000 Kraniche aus Skandinavien, dem Baltikum und
Polen gleichzeitig.
Seit den 1970er-Jahren hat
sich die Anzahl der Vögel auf Grund gut geschützter
Schlafstellen und verstärktem Getreide- und Maisanbau auf extrem
großen Schlägen ständig erhöht. Die Rastkapazität ist nun
offensichtlich erreicht. An den Schlafplätzen der Bock-/Werder
Inseln schlafen bis 25000, auf Rügen bis 14000 und auf der Insel
Kirr bis zu 8000 Kraniche. Seit Beginn der neunziger Jahre
stagniert die Rastzahl bedingt durch die Veränderungen in der
Landwirtschaft. Da heute - im Gegensatz zu früher - mit modernen
Maschinen fast verlustfrei gearbeitet wird, sind Ernterückstände
auf Stoppelfeldern, von denen sich die Rastvögel ernähren,
gering.
Der Kranich als Brutvogel
Nicht nur durchziehende, sondern auch brütende Kraniche gibt es
im Nationalpark und auch in der Gemeinde Ummanz. Zur Brutzeit ist der Kranich heimlich und sehr
störungsempfindlich. Wenn Sie ihm eine erfolgreiche Brut
wünschen, tun Sie gut daran, nicht auf die Suche nach seinem
Nest zu gehen. Um nicht entdeckt zu werden, legen sich brütende
Kraniche sogar eine regelrechte Tarnbemalung zu. Mit Hilfe von
aufgestrichenem Bodenmaterial färben sich brütende Weibchen das
eigentlich graue Rückengefieder zu einem unauffälligem Braunton
um.





Kraniche brauchen als Brutgebiet ruhige, wasserüberstaute
Bruchwälder und Moore. Das Wasser gewährleistet einen
weitgehenden Schutz des am Boden befindlichen Nestes vor
Feinden.
Die Jungvögel sind erst einige Tage nach dem Schlüpfen vor
Feinden relativ gut geschützt. Sie sind dann zwar immer noch
ziemlich wehrlos, aber deswegen noch lange nicht ausgeliefert:
Als flinke Sprinter verlassen sie bei Gefahr blitzschnell die
Gefahrenzone und sind im Unterholz verschwunden. Außerdem
bleiben die Eltern ständig in der Nähe, um zu warnen und die
Jungen gegebenenfalls zu verteidigen.
Das Sammeln und
Rasten
Der bedeutendste Rastplatz in Deutschland befindet sich an der
Ostseeküste in der Rügen-Bock-Region. Große Rastplätze sind auch
von der unteren Oder, der Mecklenburgischen Großseenplatte (z.
B. die Müritz und die Langenhägener Seewiesen), dem Rhinluch und
Havelländischem Luch (z.B. Linumer Fischteiche und Nauen) sowie
seit einigen Jahren aus der Oberlausitz bekannt. Weitere
Rastplätze mit Ansammlungen von einigen hundert bis zu rund
eintausend Kranichen gibt es im südöstlichen Schleswig-Holstein,
in Niedersachsen und in Hessen.
Das
Zentrum eines Rast- oder Sammelplatzes bilden ein oder mehrere
Schlafplätze. Sie befinden sich in Gewässern mit
Flachwasserbereichen, in denen die Kraniche nachts stehend
schlafen. Tagsüber suchen die Tiere auf nahe gelegenen
Ackerflächen nach Nahrung.
Zwischen Ende Oktober und Anfang November ziehen die Kraniche
aus Mitteleuropa ab. In milden Wintern bleiben gelegentlich
kleinere Kranichtrupps in Deutschland.
Der eindrucksvolle Überflug am Morgen und Abend
Nachts
schlafen die Kraniche stehend in den flachen Gewässern des
Boddens (Flachwasserzone der Ostseeküste). Hier sind sie vor
Bodenfeinden sicher. Morgens fliegen sie in langen Ketten zu den
Nahrungsflächen, abends kehren sie zum Schlafplatz zurück.
Die Schlafplätze sind uneingeschränkt zu schützen. Störungen
verunsichern die Vögel, trennen Eltern von ihren Jungen, und
eine Flucht verursacht einen zusätzlichen Energieverbrauch, der
durch vermehrte Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden muss. Bei
stärkeren Störungen werden Schlafplätze völlig aufgegeben.
Auf das beeindruckende Naturschauspiel des abendlichen oder
morgendlichen Fluges zum oder vom Schlafplatz brauchen die
Besucher trotzdem nicht zu verzichten. Am besten können Sie die
Kraniche von den empfohlenen
Aussichtspunkten
aus beobachten. Gleiches gilt für die Beobachtung der Kraniche
auf ihren Nahrungsflächen.
Wenn Sie Kraniche
auf einem Feld oder einer Wiese entdecken, bleiben Sie bitte in
Ihren Fahrzeugen, da die Rastvögel eine große Fluchtdistanz von
mindestens 300 Meter haben. Beobachter im Auto tolerieren die
Kraniche auch aus geringerer Entfernung. Sobald Sie aber
aussteigen, fliegen sie auf und davon.
Energiereserven für den Flug
ins Winterquartier
Für den mehrere tausend Kilometer langen Zug in die Winterquartiere
benötigen die Kraniche Energiereserven, die in Form von Fettdepots während
der Rast durch energiereiche Nahrung angelegt werden.
Die Kraniche fliegen von den Schlafplätzen aus bis zu 30 Kilometer ins Land
hinein, um Mais- und Getreidestoppelfelder sowie Neusaaten von Gerste und
Weizen zu finden. Auf Flächen mit gutem Nahrungsangebot versammeln sich
Hunderte bis Tausende Kraniche. Ein Kranich nimmt täglich 200 bis 300 Gramm
Getreide auf.





Zug der Kraniche in Europa
Die europäischen Brutpopulationen ziehen auf unterschiedlichen Routen in
ihre Winterquartiere. Der osteuropäischen Zugweg führt Kraniche aus
Finnland, dem Baltikum, Polen und Westrussland über Ungarn nach
Nordostafrika. Den westeuropäischen Zugweg nutzen Kraniche aus Mitteleuropa,
Skandinavien sowie in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend auch aus den
baltischen Staaten, aus Finnland und Weißrussland. Ihre
Überwinterungsgebiete liegen in Frankreich, Spanien und zu einem geringen
Teil in Nordafrika.
Der Frühjahrszug der Kraniche geht rascher und zielstrebiger voran als der
durch wochenlange Rastperioden unterbrochene Zug im Herbst. Zwischen Mitte
März und Anfang April legen 5000 bis 8000 Kraniche gleichzeitig in der
Rügen-Bock-Region einen Zwischenstopp ein, bevor sie die Ostsee überqueren.
Ein weiterer wichtiger Rastplatz für viele tausend Kraniche auf ihrem Zug
nach Norden ist der Hornborgasee im schwedischen Västergotland.
Die Vögel fliegen oft viele hundert Kilometer pro Tag und überwinden
Entfernungen von insgesamt mehreren tausend Kilometern auf dem Weg in ihre
Winterquartiere und zurück.






Überwinterung
Auf der westeuropäischen Zugroute überwintern heute etwa 65000 bis 70000
Kraniche in Spanien, 30000 in Frankreich sowie jeweils wenige tausend Vögel
in Portugal und Nordwestafrika. Noch 1970 wurde Marokko als wesentliches
Überwinterungsgebiet angesehen. Änderungen in der Landnutzung durch
verstärkten Mais- und Reisanbau, milde Winter und verbesserte
Schutzbedingungen an den Rastplätzen führten zur Verlagerung der
Überwinterung nach Norden. Inzwischen verbringen bereits etwa 8000 Kraniche
den Winter am Lac du Der Chantecoq im Nordosten Frankreichs. Weitere 22000
bleiben in Südwestfrankreich. In der Laguna de Gallocanta, einem flachen
Salzsee in der Hochebene Nordostspaniens überwintern ca. 5000 Vögel.
Hauptüberwinterungsregion ist zur Zeit mit etwa 50000 Kranichen die
Extremadura in Westspanien. Dort suchen die Vögel in den "Dehesas", den
lichten mediterranen Eichenwäldern, nach den Früchten der Stein- und
Korkeichen. Diese traditionell genutzten Wälder sind das Ergebnis einer
Jahrhunderte langen extensiven Landnutzung. Sie erinnern mit ihren
durchschnittlich 40 bis 50 Bäumen je Hektar auf Weideland oder Getreide an
eine weitläufige Parklandschaft. Den Winter verbringen Kraniche in kleinen
sozialen Verbänden, als Fressgemeinschaften mit meist weniger als 50 Vögeln
oder als Familienverband. Die Vögel öffnen die harte Schale der Eicheln mit
dem Schnabel und fressen das etwas bitter schmeckende Fruchtfleisch. Auch
die dunklen iberischen Hausschweine werden zu dieser Zeit zur Mast in die
Eichenhaine getrieben.
Neben diesen traditionellen Nahrungshabitaten nutzen inzwischen bis zu 20000
Kraniche die intensiven Mais- und Reisanbauflächen im Gebiet von Navalvillar
de Pela zur Nahrungssuche.
Eine gemeinsame Aufgabe
Kraniche sind heute überall durch Lebensraumzerstörung bedroht. Als
wandernde Tierart können sie nur durch grenzübergreifende Konzepte, z.B.
internationale Abkommen wie die "Bonner Konvention" (Übereinkommen zur
Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten), Gesetze und
Zusammenarbeit, dauerhaft geschützt werden.
In Ost- und Südeuropa sowie in Nordafrika muss für den Schutz der
Überwinterungsplätze gesorgt werden. Die Bemühungen um sichere
Winterquartiere außerhalb Deutschlands beginnen bereits in Lothringen, wo
kleinere Trupps häufig die kalte Jahreszeit verbringen. Die Bewahrung
traditioneller Landnutzungen wie in den "Dehesas" und in Osteuropa ist
angesichts der fortschreitenden Entwicklung einer intensiven Landwirtschaft
eine gemeinsame, europäische Aufgabe.



